Pädagogische Übungen in der Eurythmie

Eurythmie

Projektbeschreibung

Die bestehenden drei Bänden zum Eurythmieunterricht wurden im Hinblick auf den Gang durch die Klassenstufen verfasst. Dabei wurde das besondere Thema der pädagogischen Formen allenfalls tangential gestreift und soll nun in einem vierten Band unter dem Titel „Gut für Kinder und junge Leute“ der Buchreihe angefügt werden.

Dieses Projekt widmet sich einer besonderen Form sozialer Eurythmieübungen, die geometrische Bewegungsformen mit Sprache und sozialem Lernen verbinden. Allen Übungen liegt eine klare räumliche Struktur zugrunde, die mit Gedichtformen, Lautfolgen oder kurzen Texten kombiniert wird. Die Übungen fördern nicht nur Konzentration, Bewegungskoordination und Sprachbewusstsein, sondern zielen auf ein vertieftes Gemeinschaftserleben sowie die Stärkung moralischer Fähigkeiten im Klassenverband ab – Aspekte, die Rudolf Steiner mit den Wirkungen eurythmischer Übungen verbunden hat.

Die Übungen werden stets in der Gruppe durchgeführt – von kleinen Gruppen bis hin zu fast 50 Teilnehmenden – und entfalten ihre Wirkung auf verschiedenen Ebenen: in der Bewegung, im Klang, im sozialen Miteinander. Die Einführung dieser Formen verlangt ein genaues Verständnis ihrer Struktur sowie ein altersgemäßes methodisch-didaktisches Vorgehen. Wenn dies gelingt, zeigt sich eine starke Wirkung auf die Entwicklung von Leib, Seele und Gemeinschaft.

Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es, diese bislang kaum dokumentierten Übungen systematisch zu erfassen, zu beschreiben und ihre Wirkprinzipien darzustellen. Dabei wird die Frage nach der inneren Logik der Form – also nach dem Warum der Wirkung – in den Mittelpunkt gestellt.

Am Beispiel einer Übung mit dem Satz „Wir suchen uns, wir leben uns, ganz nah“ wird deutlich, wie Sprache, Bewegung und Form eine vielschichtige Einheit bilden: Die Wege der Kinder bilden geometrisch die Vokalformen U, E und A ab. Rhythmus, Bewegungsrichtung, Tempo und Begegnungsqualität sind dabei eng mit dem sprachlichen Inhalt verwoben – und spiegeln zugleich die Entwicklungsschritte einer Klassengemeinschaft wider.

Diese Art des Übens wird als mehrschichtiges Erfahrungsfeld beschrieben – wie eine Matroschka, bei der sich äußere Bewegung, innerer Gehalt und gemeinschaftlicher Prozess ineinanderfügen. Jede Form schult Geistesgegenwart, Wahrnehmung, Koordination und soziales Miteinander – auf altersgerechte Weise und eingebettet in die Entwicklungsstufe der Kinder.

Das Ziel des Projekts ist es, diese Formen und ihre Wirkzusammenhänge durch alle zwölf Schuljahre hinweg zu dokumentieren und in einem Buch zusammenzufassen. Dabei sollen nicht nur die Formen selbst, sondern auch ihre menschenkundliche Begründung, ihre altersgerechte Einbindung und ihr Bezug zum übrigen Unterricht dargestellt werden. Die Sammlung soll Eurythmist:innen und Lehrer:innen als grundlegende Orientierung dienen – sowohl in methodisch-didaktischer als auch in entwicklungspsychologischer Hinsicht. Die Übungen können als Urbilder für den Umgang mit Lerninhalten in einer jeweiligen Altersstufe verstanden werden.

Daten zum Projekt

Status Laufend
Start- & Enddatum 01.12.2022 - 31.07.2025
Projektträger Pädagogische Forschungsstelle Stuttgart
Projektverantwortliche Helga Daniel