Gestaltbildung im Lebendigen

Untertitel: ein Beitrag zur Organimischen Biologie
Status: laufend
Startdatum: 07.12.2020
Enddatum: 31.07.2023
Projektträger: Pädagogische Forschungsstelle Stuttgart
Projektverantwortliche: Dr. Benjamin Bembé , Bernd Rosslenbroich

Das Vorhaben versteht sich als Anschlussprojekt zum laufenden Projekt: "Goetheanismus im Unterricht der Waldorfschulen". Aus diesem hat sich die Planung eines neuen Projektes ergeben, welches ebenfalls die Naturwissenschaften in der Waldorfpädagogik fördern soll. Außerdem unterstützt es die Arbeiten von Bernd Rosslenbroich im Rahmen der „Properties of Life“. Eine dieser "Properties" ist die Eigenschaft der Gestalt, der räumlich-zeitlichen Organisation von Lebewesen.

Durch vergleichende morphologische Untersuchungen sollen Begriffe für Prozesse der Gestaltbildung entwickelt und Kenntnisse zu ihren Prinzipien erarbeitet werden. Ziel dabei ist es, klare Lösungen und Verständnisansätze für Gestaltentstehung zu entwickeln, um das zunehmend notwendige Denken in Systemen für ein organismisches Verständnis des Lebendigen zu erweitern. Von diesen Denkweisen hängt zentral ab, wie mit lebendigen Systemen in der Praxis umgegangen wird.

Die bisher dominierende Denkweise in den Lebenswissenschaften ist an der Kausalanalyse aus der klassischen Physik orientiert. In der angewandten Forschung (Medizin, Landwirtschaft), aber letztendlich auch durch den Einsatz in der Pädagogik zielt das auf Beherrschbarmachung, Manipulation und Steuerung der Organismen ab. Derzeit spricht alles dafür, dass eine künftige Forschung deutlich mehr in Systemen, in Komplexität, Integration und Kooperation denken wird. Daraus ergibt sich eine neue Grundlage für den Umgang mit der Natur, in der es vermehrt um Förderung und Einfügen in die natürlichen Ressourcen der Erde geht als um Manipulation und Zerstörung. An diesen Verständnisansätzen wird derzeit vielerorts gearbeitet. Das Projekt soll dabei helfen, sie zu fördern und möglichst bald über Lehrer als Multiplikatoren in den Unterricht einfließen zu lassen.

Die Ergebnisse sollen sowohl in der wissenschaftlichen Fachwelt veröffentlicht werden, als auch den Biologieunterricht an Waldorfschulen unterstützen, was uns ein besonderes Anliegen ist. Durch Vorschläge und Anregungen zu goetheanistischen Themen für Lehrer soll integratives Denken im Unterricht gefördert werden.

Bisher sind die folgenden Inhalte für das Projekt vorgesehen:

- Studium allgemeiner und historischen Fragen der Gestalt- und Formbildung im Überblick.

- Empirische Arbeiten zum Verhältnis Gestalt/Funktion und Gestaltentstehung in der Evolution.

- Gestaltbiologische Untersuchungen in verschiedenen Verwandtschaftsgruppen, um allgemeine Gesetzmäßigkeiten des Lebens zu verdeutlichen. Beispiele hierfür sind: Mollusken, Insekten, Hominiden, Bäume aber auch Fragen zur Zoogeographie (als fächerübergreifendes Thema für Geographie und Biologie).

- Integration der Gestaltfrage in aktuelle Konzepte der Lebenswissenschaften.

- Publikation der Ergebnisse, Kurse an Lehrerseminaren, Exkursionen und Tagungen, in welchen die Inhalte in den Diskurs gebracht werden und dadurch zu einer Verstärkung integrativer Ansätze im Biologieunterricht der Waldorfschulen beitragen.