Journal für Waldorfpädagogik 2 - März 2021

Sonderthema: Medienpädagogik

Waldorfschulen wollen Humanität im Zeitalter der Technisierung und der Digitalisierung befördern. Waldorfpädagogik steht nicht im Widerspruch zu den technischen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen, die mit der Digitalisierung einhergehen, und sie lehnt diese auch nicht ab. Im Gegenteil: Ihre Daseinsberechtigung gründet sich insbesondere auf den pädagogischen Herausforderungen, die durch die neue Welt der Medien und durch die Digitalisierung des Alltags gegeben sind.
Die hier versammelten Artikel geben Einblick in die pädagogische Forschung, wie sie am »von Tessin-Lehrstuhl für Medienpädagogik« an der Freien Hochschule Stuttgart stattfindet. In diesem Arbeitszusammenhang sind die ersten fünf Texte des Themenschwerpunkts entstanden.
Der Aufsatz von Edwin Hübner geht grundlegenden Fragen der Medienpädagogik nach und führt damit in die Thematik ein. Hübner skizziert einen an der kindlichen Entwicklung orientierten medienpädagogischen Ansatz, bei dem Sinnesentwicklung und Leiberfahrung im ersten Jahrsiebt im Vordergrund stehen (indirekte Medienpädagogik), das Kennenlernen und Beherrschen analoger Medientechniken in den ersten Schuljahren stattfinden und erst mit der Pubertät die rezeptive und produktive Auseinandersetzung mit den digitalen Medien erfolgt.
Katinka Penert widmet ihren Aufsatz der Frage, was Waldorfschulen tun können, um Heranwachsenden eine weitgehende Partizipation an dem zunehmend digital geprägten gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dabei beleuchtet sie einerseits die Schwierigkeiten, die mit pädagogischen Innovationen verbunden sind und diese mitunter auch verunmöglichen, zeigt aber auch Wege auf, die zu schulspezifischen medienpädagogischen Konzepten führen können. Ihr Text ermutigt insofern, als sie den Waldorfkollegien ein hohes Maß an medienpädagogischer Kompetenz attestiert.
Franz Glaw zeigt an zahlreichen erprobten Beispielen, wie sich aus den klassischen pädagogischen Angeboten der Waldorf-Oberstufe eine Fülle von digital gestützten Gestaltungstätigkeiten ergibt. Dabei wird deutlich, wie die Waldorfschule dazu beitragen kann, dass Heranwachsende nicht Medienknechte, sondern Medienmeister werden.
Eine Kernaufgabe der Waldorfpädagogik liegt darin, Heranwachsenden zu einem Grundverständnis der sie umgebenden Technik zu verhelfen. Robert Neumann bezieht in seinem Aufsatz diesen pädagogischen Auftrag auf das Verständnis von Algorithmen, die einen wichtigen Teil der uns umgebenden Technik ausmachen. Das Interessante ist hier: Programmieren lernt man zunächst am besten ohne Computer!
Elke Dillmann geht in ihrem Beitrag der Frage nach, welche pädagogischen Aufgaben sich aus dem Wust von »Wahrheiten, Halbwahrheiten und Lüge« ergeben, die sich uns via Internet täglich mitteilen.
In der Waldorfpädagogik wird bekanntermaßen großer Wert auf die konkrete Gestaltung der Lernumgebung gelegt. Ulrike Sievers gibt eine Fülle von Anregungen dazu, wie Raum und Zeit auch im »Fernlernraum« des digital gestützten Distanzunterrichts pädagogisch gegriffen werden können.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

Florian Stille

PS: Das Journal für Waldorfpädagogik hat eine neue E-Mail-Adresse,
unter der Sie uns erreichen können: jfw@lehrerseminar-forschung.de

Inhalt

MEDIENPÄDAGOGIK

  • Edwin Hübner Pädagogik mit Medien oder Medienpädagogik
  • Katinka Penert Waldorfschule in der digitalen Transformation
  • Franz Glaw Medienpädagogik und Gesundheit
  • Robert Neumann Algorithmen verstehen – Informatik ohne Computer
  • Elke Dillmann Im Netz von Wahrheiten, Halbwahrheiten und Lügen – »Fake News« und Desinformation als pädagogisches Handlungsfeld
  • Franz Glaw »Wikipedia is a scourge«
  • Ulrike Sievers Auch digitale und Fernlern-Räume müssen bewusst gestaltet werden

ZUR WALDORFPÄDAGOGIK

  • Katharina de Roos Fächerübergreifender Unterricht Interview mit Moritz Gritschneder
  • Martyn Rawson Waldorfpädagogik und Postkolonialismus: eine kritische Selbstreflexion

AUS DEM BUNDESVORSTAND

  • Eva Wörner Bericht aus dem Bundesvorstand

AUS DER PÄDAGOGISCHEN FORSCHUNGSSTELLE

  • Christian Boettger Ein kleiner Einblick in die Arbeit der Pädagogischen Forschungsstelle in Stuttgart

INFORMATIONEN

  • Wilfried Sommer Jugendsymposion Conditio humana Wie ist es und was heißt es, ein Mensch zu sein?

LEBENSBILDER

 

  • Peter Mitzenheim Klaus Mitzenheim (12. 6. 1932 – 19. 10. 2019) 108
  • Gerhard Beilharz Wolfgang Wünsch (18. 6. 1926 – 17. 4. 2020) 112
  • Birgit Kohn, Volker Alt Anny Kossmann (26. 1. 1928 – 17. 8. 2020) 118
  • Joachim Blümke, Viviane Harje Horst Hecht (18. 8. 1956 – 24. 10. 2020) 123

BUCHBESPRECHUNGEN

  • Wilfried Sommer "Der Erzähler Rudolf Steiner Studien zur Hermeneutik der Anthroposophie" von Ulrich Kaiser
  • Simona Grünhage, Marco Gerbig-Fabel "Zum Unterricht des Klassenlehrers an der Waldorfschule" von Helmut Neuffer u. Ludger Helming-Jacoby (Hrsg.)
  • Martina Wiemer-Brettreich "So lass ich mich nicht prüfen!" von Holger Grebe
  • Sigrid Seidler "Streifzüge durchs Tierreich" von Thomas Marti
  • Thomas Neukirchner "Projektive Geometrie" von Stephan Sigler
  • Jan Deschepper "Autonomie der Blutbewegung" von Prof. Dr. med. Branko Furst
  • Peer Friese "Römische Taten" von Bero von Schilling
Titel Journal für Waldorfpädagogik 2 - März 2021
Untertitel Sonderthema: Medienpädagogik
Verlag Bund der Feien Waldorfschulen
Ausstattung PDF
Umfang 148 Seiten
Format 14,8 x 21 cm