Jugend und Waldorfpädagogik

Status: laufend
Startdatum: 01.07.2015
Enddatum: 30.06.2017
Projektträger: Pädagogische Forschungsstelle Kassel
Projektverantwortliche: Dr. Angelika Wiehl
Beteiligte Personen: Prof. Dr. Michael Zech

Das Forschungsvorhaben befasst sich mit der Jugendanthropologie und –psychologie, die Rudolf Steiner im Rahmen seiner anthroposophischen Schriften und Vorträge, aber vor allem in den Vorträgen zur Waldorfpädagogik, entworfen und entwickelt hat. Es soll die mit verschiedenen Ansätzen und Zielen geleistete Forschungsarbeit zur Jugendpädagogik Steiners der letzten 30 Jahre aufgegriffen sowie der Entstehungskontext und die Intentionen von Steiners jugendpädagogischen Vorträgen und Texten entschlüsselt werden.

Eine wie hier zu erarbeitende Monographie zur anthroposophischen Jugendpsychologie und  –anthropologie mit einer Auswahl kommentierter Jugendpädagogikvorträge Steiners, die in den Ausbildungsstätten der Oberstufenwaldorflehrer, aber auch der allgemeinen Pädagogik, als Studiengrundlage verwendet wird, liegt bisher nicht vor. Das Forschungsvorhaben soll daher in eine entsprechende Buchveröffentlichung zur anthroposophischen Jugendpädagogik mit einer kommentierten Textauswahl aus Steiners Werken münden.

Forschungsplan

a) Als Grundlage der Auseinandersetzung mit Steiners Jugendanthropologie und ihrer historischen sowie pädagogischen Verortung soll eine Sichtung aller Texte und Vorträge von Rudolf Steiner zum Jugendalter vorgenommen werden, die als kommentierte Textauswahl den Materialteil umfassen und der Maßstab für die einleitende Darstellung zur Jugendanthropologie Steiners ist. Vorliegende Texte sollen vor Drucklegung im Rudolf Steiner Archiv gesichtet und verglichen werden. Die Sichtung und Einbeziehung nicht veröffentlichter Notizen Steiners zur Jugendpädagogik und damit zusammenhängenden Themen ist vorgesehen.

b) Parallel zu der Textbearbeitung soll zunächst eine Bestandsaufnahme der einschlägigen Literatur zur Jugend aus anthroposophischem und waldorfpädagogischem Kontext erfolgen. Es gilt einzuschätzen und darzustellen, welche waldorfpädagogischen bzw. anthroposophischen Ansätze zur Jugendpädagogik und  – anthropologie vorliegen.

c) Als eine weitere Aufgabe wird die historische und philosophische Einbettung der Äußerungen Steiners zum Jugendalter gesehen. Viele Sequenzen, zum Teil recht knappe Äußerungen Steiners zum Jugendalter, sind zeitbedingt, hängen mit der Aufbauarbeit der ersten Waldorfschulen zwischen 1919 und 1924 zusammen oder stehen im Kontext philosophischer und sozialgeschichtlicher Überlegungen.

d) Für den Entwurf einer Jugendanthropologie und/oder Jugendpsychologie der Waldorfpädagogik gilt es die anthroposophischen Termini (z. B. Astralleib) zu erläutern, die Entwicklungsaspekte und die anthropologisch-­‐psychologischen Inhalte zu erarbeiten und für eine Rezeption in waldorfpädagogischen und nichtwaldorfpädagogischen Kreisen darzustellen. Zu prüfen ist, ob eine geisteswissenschaftliche Psychologie des Jugendalters ausgearbeitet werden kann, in der auch holistisch-­kosmische Zusammenhänge berücksichtigt werden.

e) Als Arbeitsanregungen für Pädagogen sollen Methoden und Übungen für die meditative Vertiefung der Anthropologie, die meditative Arbeit und Methoden der erzieherischen Praxis erarbeitet werden. Anlass dafür sind auch die Gespräche in den Oberstufenkursen mit angehenden jungen Waldorflehrern, die sich verstärkt für Wege des individuellen, pädagogischen und sozialen Übens interessieren. Es soll daher herausgearbeitet werden, dass diese Übungen und Methoden einen produktiven und selbstwirksamen Zugang zur anthroposophischen Pädagogik eröffnen.

Praktische und wissenschaftliche Bedeutung des Projekts  

Die Arbeitsergebnisse fließen fortlaufend in die Ausbildung für Waldorflehrer ein, insbesondere auch in die Oberstufenausbildung am Institut für Didaktik der Alanus Hochschule und am Lehrerseminar für Waldorfpädagogik Kassel. Michael M. Zech und Angelika Wiehl vertreten dort die Jugendpädagogik. Die Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse dient auch als Grundlage der Waldorflehrerausbildung für Klassen- und für Fachlehrer. Außerdem schließt sie eine Lücke im Bereich der Jugendforschung und Jugendpsychologie, für die bisher keine vergleichbare Veröffentlichung aus dem Bereich der Waldorfpädagogik zur Verfügung steht. Die Reflexion des entwicklungsbezogenen, urteilsbildenden Unterrichts der Waldorfschule im Jugendalter kann in den erziehungswissenschaftlichen Diskurs und in die Forschung zur Jugendpädagogik eingebracht werden. Außerdem kann das Studienbuch zur „Jugend und Waldorfpädagogik“ eine Arbeitsgrundlage für praktizierende Schul- und Sozialpädagogen sein.